Rückblick

Was nun?

Gedanken über die Zukunft

Um mir klar darüber zu werden, wie mein Leben ohne Familie so sein sollte, welche Möglichkeiten ich denn hätte und was als erstes zu tun sei, kamen mir viele irrwitzige Ideen in den Kopf. Einige verwarf ich sofort, andere nahmen Gestalt an.

Es war mir schon lange bewusst, dass mein Leben wie ich es führte, nicht das war, was meine Seele
von mir verlangte. Das Leben war schön, ja, zweifelsohne, große Schicksalsschläge blieben mir
erspart und alles lief fast reibungslos nach Plan. Alles voll normal. Mein damaliger Ehemann und
Vater meiner vier Kinder war beruflich stark eingebunden, er war erfolgreich, aber auch viel
abwesend. Wir lernten uns als Kinder kennen, im Jahr 1968 und blieben 38 Jahre zusammen. Wir
waren ein gutes Team, wir funktionierten, so wie die Familie es von uns erwartete.
Doch dann geschahen merkwürdige Ereignisse, die mich abrupt aus meiner Alltagssituation
aufhorchen ließen. Da war es aber schon zu spät. Der Karren war in den Dreck gefahren und kam
nicht mehr heraus. Bemühungen beiderseits machten es nicht besser, es war eine bittere Erkenntnis,
zu erfahren, dass das Lebenswerk nicht vollendet werden konnte. Wir trennten uns.
Lebensabschnittsgefährten kreuzten meinen Weg, konnten mich aber nicht aufhalten, nach dem Sinn
des Lebens zu forschen.
In dieser Zeit, inmitten der Wirrungen, erinnerte ich mich sehr genau an den Tod meines Vaters und wie ich ihn empfunden hatte. Nach dem Anruf aus dem Krankenhaus, bei dem mir mitgeteilt wurde, dass mein Vater
verstorben sei, fuhr ich gleich dorthin.Unser ältester Sohn bot sich an, mich zu begleiten, er sah
meine Aufgeregtheit und wollte mich nicht alleine fahren lassen. Er war 17 und hatte noch keinen
Führerschein. Nach 30 Minuten und dem üblichen Prozedere auf der Intensivstation durften wir ins
Zimmer, in dem mein Vater und P’s Opa lag. Das Personal hatte vergessen, Augen und Mund zu
schließen, und der Anblick war nicht friedlich. Mein Sohn verzog sich in die äußerste Ecke auf
einen Stuhl und ich umarmte meinen Vater, den leblosen Körper, zum letzten Mal. Ich spürte wie
eine Hand auf meine Schulter drückte, ich drehte mich um, P. saß auf dem Stuhl, und mit einem Mal
wusste ich, dass Vater’s Seele sich von mir verabschiedet hatte. Ich sah einen grauen Schleier entlang
der Wand wandern, an die Decke und weiter Richtung offenes Fenster. Dorthin verzog sich die
Schwade und war verschwunden.
In meiner großen Trauer um ihn musste ich mir anhören, wie ein Verwandter meinte, ich sei
angstbesetzt, was meinen Vater anginge. Wie kam er darauf und welches Recht hat er, mich so zu
verletzen. Ich habe seinen spöttischen Blick und seine Stimme lange Zeit nicht vergessen können.
Es gab noch mehr Äußerungen von ihm, die ich hier nicht niederschreiben möchte, es ist im Laufe
der Zeit unwichtig geworden, da transformiert. Die Gedanken sind diesbezüglich neutral und
bleiben es auch.

Kein verlorenes Jahr…

Ich entschied mich, für ein Jahr auf Kreta zu leben mit meinem damaligen Lebensabschnittspartner.

Es war sein Traum, den Lebensabend auf Kreta im Müßiggang zu leben. Ich habe es versucht und bin daran gescheitert. Erstens ist ständiger Müßiggang nichts für mich und zweitens war es ein extrem heißes und trockenes Jahr auf Kreta mit vielen Waldbränden. Hitze kann ich auch nicht mehr gut vertragen seitdem. Jedoch ein Versuch war es wert, jetzt kann ich sagen: Nie mehr so lange, dafür öfters kürzere Zeiten. Immer wieder schön, ein bisschen wie nach Hause kommen, nach Südkreta. Petttra kommt, sagen die Griechen…

Ich muss mal alleine sein…

Anschließend kam mir in den Sinn, nach Rom zu gehen. Zu Fuß nach Rom, das wäre doch was. Zum Petersdom und zu St. Pauli hinter den Mauern, die Kirchen meiner Namenspatronen…….

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