Weitwanderung von Köln nach Rom

Einleitung

Bericht von Mai 2010

Ein langersehnter Wunsch wurde wahr.

Seit Jahren träumte ich davon, mich auf eine wirklich lange Wanderung zu begeben.

Ich hatte meine Geburtsstadt nie verlassen, bis auf den Ausreißer nach Kreta für ein Jahr.

Gerne hätte ich als junge Frau einige Zeit im Ausland verbracht, aber mein Leben verlief anders.

Ich bekam vier Söhne und mein Unternehmungsdrang war natürlicherweise für 25 Jahre eingeschränkt.

Trotzdem fand ich immer Zeit und Muße, mich kurzzeitig von der Familie zu trennen und alleine oder mit meinem damaligen Ehemann oder mit nur einem unserer Söhne zu verreisen. Die Söhne wurden erwachsen und ich orientierte mich neu.

Der Wunsch, weit zu wandern, kam mit den alljährlichen Pilgerwanderungen aus meiner Gemeinde in Köln nach Trier.

Nach Ankunft in Trier wäre ich am liebsten weiter gegangen. Einige meiner Pilgerbrüder und -schwestern taten dies auch. Ich war so voller Sehnsucht, auch weiter zu gehen. Ich erinnere mich gut an diese Gefühle.

Endlich war es dann soweit. Nach gründlicher Reisevorbereitung ging ich am 9. Juni 2010 los und wenn alles gut liefe, käme ich in der zweiten Oktoberwoche in Rom an.

Es war ein rein privates Vergnügen, welches ich mir leistete. Das war mir zu wenig. Ich ging auch, um Spendengelder für Kölsch Hätz zu erbitten. Nachbarschaftshilfe ist eine großartige Sache und jeder im Leben braucht vielleicht einmal ehrenamtliche Helfer aus der Gemeinde, die er ansprechen kann, wenn Alter oder Krankheit das erfordern.

Es freute mich sehr, dass Kölsch Hätz mir eine Seite auf ihrer Homepage zur Verfügung stellte. Es gab mir ein befriedigendes Gefühl, auf dem Weg nach Rom nicht nur an mich zu denken, sondern auch Gutes zu tun für die Nachbarschaftshilfe.

 

Bericht vom 20.Juni 2010

Steil, heiß und zufrieden…

Nach vier schwülheißen Tagen bin ich in Koblenz angekommen. Ich habe den Rheinhöhenweg bzw. den E8 gewählt, weil ich weniger auf und ab gehen wollte; aber sehr viel einfacher als der Eifelsteig scheint dieser linksrheinische Fernwanderweg nicht zu sein. Egal, die Aussichten von den Rheinhöhen entschädigen für die Anstrengungen.

Zum Glück habe ich für meine erste Etappe einen Freund gefunden; der mich bis Worms begleitet. Das vereinfacht meinen Einstieg enorm. Es ist jemand da, der mich bremst und das Tempo drosselt. Es gibt jemanden, der darauf achtet, das ich regelmäßig esse, denn ich vergesse das schon mal. Er hilft mir, den Rucksack anzuziehen, gar nicht so einfach die 10 kg zu schultern. Jetzt weiß ich, wie es geht. Er kauft genügend Wasser für unterwegs und wir lesen gemeinsam die Wegekarte.

Vorgestern wollten wir in Unkelbach ein Gasthaus aufsuchen, um ein alkoholfreies Weizenbier zu trinken, doch leider war es Mittag, die einzige Kneipe im Ort geschlossen, es war heiß und wir hatte noch einen langen Weg vor uns. Gähnende Leere im Ort, bis wir eine Frau in ihrem Vorgarten Unkraut zupfen sahen. Kurzerhand sprachen wir sie an und baten um Leitungswasser für unsere Trinkflasche. Sie lud uns ein auf einen Kaffee, Brötchen mit Käse, Wasser UND alkoholfreies Bier in ihre Gartenlaube. Der Ehemann kam dazu, brachte frisch gepflückte Erdbeeren aus dem Hausgarten mit. Wir haben uns gut unterhalten, nur für eine Spende zugunsten Kölsch Hätz konnte ich sie nicht begeistern. Naja, was nicht ist, kann noch werden, tu mein Bestes.

Viele Menschen werden sich fragen, warum begibt sich Frau Meurer auf diese Tour. Ich werde sie hier nicht beantworten, das ist was für mein Tagebuch. Möglicherweise entrückt mir im Laufe der vier Monate doch die eine oder andere Aussage über meine Beweggründe, weil es Tage geben wird, an denen ich ziemlich alleine sein werde.

In unregelmäßigen Abständen schreibe ich meine Erfahrungen von unterwegs und hänge Fotos an. Ich freue mich über Spenden für Kölsch Hätz über die Seite von Kölsch Hätz. Mund zu Mund Empfehlungen sind willkommen.

 

Bericht von 30.Juni 2010

Fußball überall

Im Ort Rockenhausen im Bistro Chlochard habe ich eine Pause eingelegt um das Fußballspiel zu sehen. Die Stimmung war gut und wegen der Hitze an diesem Tag trank ich im Bistro vier Flaschen alkoholfreies Weizenbier, anschließend machte ich mich weiter auf den Weg zum 10 km entfernten Dannenfels. Nach 20 km Tagesetappe war ich total fertig und buchte ein schönes Landhotel zu einem fairen Preis, für zwei Nächte zum erholen. Um 18 Uhr läuteten die Glocken der kleinen Kapelle, und ich war auf dem Weg, die Abendmesse zu besuchen. Mich sprach Herr Faul vom Kulturverein an und ich kam mit ihm ins Gespräch. Er lud mich zu einem irischen Konzert am übernächsten Tag ein, und wünschte mir zu meinem Vorhaben viel Glück.

Die nächste Etappe war Wachenheim, nach 21km entschied ich, genug, und den letzten Streckenabschnitt nach Worms fuhr ich mit dem Zug.

Auf dem Bahnsteig Wachenheim war ich alleine und ich schlief sofort auf der Wartebank ein. Dabei fiel mir mein Handy aus der Hosentasche. Ein Mann, der später den Bahnsteig betrat, sah das Handy, hob es auf, und gab es mir wieder zurück.

Ein Herz für eine hungrige Wanderin…

Im kleinen Ort Winterkasten auf dem Weg nach Reichelheim, verspürte ich unbändigen Hunger auf Süßigkeiten und fragte einen türkischen Imbissbesitzer nach einer Bäckerei. „Was wollen sie haben?“ frug er mich. „Ein Hefeteilchen oder etwas süßes“ antwortete ich und er verschwand in seiner Garage mit den Worten:“Warten sie einen Augenblick.“ Er kam zurück mit einem Tablett, darauf lagen ein großes Stück Schokoladenkuchen, vier Schokoriegel und ein Liter Wasser. Er bat mich herein, die Schokoriegel habe ich mit Heißhunger verschlungen, den Schokokuchen auch, das gefiel ihm, und daraufhin brachte er nochmals eine Tasse frisch zubereiteten Ayran. Ich bestellte eine Pizza, der Imbissbesitzer wollte 5 Euro für alles zusammen und ich machte mich genudelt wieder auf den Weg.

Ich krieg sie wieder fit…

In Reichelsheim angekommen, fand ich keine Pension, so ging ich ins Rathaus zur Touristeninformation, und dort wurde mir sofort freundlich geholfen. Ich bekam Auskunft über den Odenwald und seinen Apfelwein, eine Restaurantempfehlung die auch Apfelweinausschank anboten, und die Pensionsbesitzerin aus Beerfurt/Reichelheim holte mich sogar mit dem Auto ab. In dieser Pension wurde mir eine Massage versprochen, die ich in meinem Leben nie mehr vergessen sollte. „Der Kerl wird sie durch walken“, sagte meine Pensionsbesitzerin. So war es dann auch. Ich legte mich auf einen Massagestuhl und sah die Englein fliegen. Mein Rücken hat nun auch da blaue Flecken, wo noch keine waren… Das ist Service im schönen Odenwald.

Mir gefällt die Gegend besonders gut, die Landschaft wirkt lieblich, mit sanften Hügeln, auf den Höhen zusammenhängende Laubmischwälder, und die Dörfer liegen malerisch in den Tälern.

Ein denkwürdiger Tag…

Ich traf einen Langstreckenläufer, der weltweit unterwegs ist. Er erklärte mir, ich könnte dreimal die Erde umgehen, wenn ich nicht bei mir wäre, käme ich nie ans Ziel. Nun, dann ist er auch noch nicht angekommen.

Ich traf eine Schulgruppe beim Sommerrodeltraining auf einem Landwirtschaftsweg. Die Kinder waren ehrgeizig und ärgerten sich, wenn sie auf dem Acker landeten und nicht die Spur halten konnten.

Ich traf eine Schulklasse Radfahrer, die mit unglaublicher Geschwindigkeit einen Forstweg mit Schotterbelag hinunterrasten, und prompt bekamen einige von ihnen die Kurve nicht und flogen seitlich gegen einen Holzstapel; ich konnte gar nicht hinsehen.

Dann gab es einen langen steilen Anstieg, klappt ganz gut, ich kann mittlerweile dabei sprechen und lachen, auf dem Rheinhöhenweg war das noch anders. Meine Kondition ist gut, dafür spüre ich meine linke Hüfte und meine Schienbeine immer stärker, und abends will ich keinen Schritt mehr gehen… mit Gepäck, ohne schon.

Vogelkonzert…

Oben auf der Höhe war es wunderschön, große Feldflächen und Wiesen, ein toller Blick in die Ferne auf Michelstadt. Ich las ein Hinweisschild über Lerchen, womit der Landwirt über die Ackerfreifläche informierte. Ich dachte darüber nach, wann ich das letzte Mal eine Lerche habe singen hören. Kaum ausgedacht, stieg eine Lerche auf , und begann ihren Gesang, nur für mich. Ich habe 10 Minuten inne gehalten und gelauscht, es war so wunderschön.

Herr mit Hund…

An der nächsten Biegung, immer dem Wanderschild gelbes Viereck auf weißem Grund entlang, kam ich an einer alten Eiche vorbei, riesig dick, man hätte sechs Erwachsene dafür haben müssen, um sie zu umarmen. An ihr war eine Gebetstafel angebracht. Viele Tage habe ich kein Wegekreuz mehr gesehen, hier im Odenwald stellen die Bürger Gebetstafeln auf.

Am Wasserschloss von Michelstadt traf ich einen Herrn mit Hund. Wenn ich an seinem Haus vorbei gekommen wäre, hätte er mich rein gebeten um mich zu bewirten. Schade, dass sein Haus nicht auf meinem Weg läge, meinte er.

Nun bin ich in Mittelstadt angekommen und habe eine schöne Pension gefunden, am Ortsausgang, mit herrlichem Blick auf die Stadt. Hier bleibe ich zwei Tage zum ausruhen, waschen, planen und …surfen. Sehr schwierig ist es, ein Internetcafé zu finden. Kaum zu glauben, aber wahr.

Das war es für heute. Sie lesen von mir, falls ich ein Internetcafé finde.

Und übrigens, Spenden sind willkommen. Ich gehe für mich und für Kölsch Hätz.

Bitte unterstützen sie die Nachbarschaftshilfe, vielleicht brauchen sie sie auch einmal.

Liebe Grüße aus Michelstadt

 
 Bericht von1.Juli 2010

Ich hasse Hitze…

Ich mag sie nicht…

Die erste Etappe bin ich mit dem Wochenbus Natour gefahren, weil die Strecke sonst für einen Tag zu lange gewesen wäre, und ich wollte bis Hardheim an diesem Tage.

In Amorbach stieg ich aus und fragte den Busfahrer in welche Richtung Hardheim denn läge. Er hatte keine Ahnung. Komisch!

Präzise Wegbeschreibung…

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite war ein Altenheim. Nichts wie rein, in der Küche lärmten zwei Köche und schauten nicht schlecht, wie ich da mit meinem Rucksack stand. Einer der beiden ging mit mir vor die Tür, und gab mir eine kurze, genaue Wegbeschreibung, was selten genug vorkommt. Ich habe den Weg ohne Probleme gefunden.

Es war ein steiler, schweißtreibender Aufstieg. Ich musste auf die andere Seite des Hügels. Oben angekommen fand ich auch schon eine Wegetafel im Wald. Ein Sportradler bestätigte meinen Weg und klopfte mir vor Begeisterung so fest auf die Oberarme, dass seine Hand abgemalt war und ich mich abends beim duschen an ihn erinnern durfte. Zum Glück bin ich nicht umgefallen.

Mein Wassertank war wie immer gut gefüllt, reichte aus für die nächste Kilometer.

Der Tag wurde lang. In Dorsfeld und im Dorf dahinter gab es keine Einkehrmöglichkeit. Eine Bäuerin gab mir eine Flasche Wasser und ich durfte auf ihrem Hof meinen Rucksack ausziehen und eine Pause einlegen. Sie beäugte mich misstrauisch und ließ mich nicht aus den Augen. Eine merkwürdige Frau, was wohl ihre Gedanken waren?

Fakten…

Nach 25,7 km und gelaufenen 5 Stunden 52 Minuten und 34.369 Schritt war ich endlich angekommen. Mein Schrittzähler zählt die gelaufenen Kilometer und Schritte, er schaltet sich bei Pause nach 10 Sekunden aus und nach 10 Sekunden Bewegung wieder an.

Wünsche…

Mit Hilfe von Bewohnern in Hardheim fand ich schnell eine Unterkunft, geführt von einem italienischen Ehepaar. Ich war der einzige Übernachtungsgast, traf aber nach dem Duschen im hauseigenem Biergarten auf ein Paar mittleren Alters. Wir unterhielten uns, der Gastwirt gab selbstgebrannten Schnaps aus, und das Paar sprach von seinen Träumen. Sie wollen längere Zeit auf Neuseeland verbringen, aber die Zeit für die beiden ist noch nicht gekommen. Ich wünsche ihnen, dass sie es schaffen, ihren Traum zu leben.

Sie empfahlen mir eine Unterkunft im Vorort von Tauberbischofsheim, mein Ziel für den nächsten Tag.

Und dort habe ich das großartige Spiel Deutschland-England mit vielen anderen Gäste ab Mitte der 1.Halbzeit sehen dürfen, somit zwei Tore verpasst.

Es ist heiß!

Morgens nach dem Frühstück ging ich in die Stadt. Beim Rundgang durch das schöne Tauberbischofsheim kam ich an der Kirche St. Liobar vorbei, und lauschte den Klängen einer Trompete. Ich ging hinein und fand dort eine junge Frau im Rollstuhl vor, die auf ihrer Trompete übte. Wir unterhielten uns und dann verbrachten wir den Tag miteinander. Bemerkenswert, was einige Menschen leisten in ihrem Leben. Sie hat vor einem Monat ihre Diplomarbeit in Informatik abgegeben und ist frohen Mutes. Sie führte mich durch die Gassen, wir haben beide einiges erledigen können. So zeigte sie mir den Schuster, meine Schuhe brauchten dringend Pflege, mit Schuhputzzeug kann ich meinen Rucksack nicht belasten.

Der Schuster war ein Syrier und er lud mich auf ein Glas Bier ein. Er führt ein interessantes Leben und ich werde immer neugieriger auf Menschen.

Die Trompetenspielerin wollte ins Pfarrhaus, ein beschwerlicher Weg, hügelaufwärts.

Ich konnte ihr super helfen.

Wegen der Hitze nahm ich am nächsten Morgen mein Frühstück um 6:30 Uhr ein, dann Abmarsch nach Beckstein. Um 12 Uhr hatte ich meine Tagesetappe erreicht nach 15,2 km in 4 Stunden.

Unerträgliche Hitze! Morgen früh gehe ich ohne Frühstück um 4:30 Uhr los.

Mal sehen, ob das besser geht.

Bis dann.

Und nicht vegessen… Spenden für Kölsch Hätz nutzt der Nachbarschaftshilfe in Köln.

Liebe Grüße

 
Bericht vom 22. Juli 2010

Trochanter und Co…

Eine Woche Aufenthalt in Bad Mergentheim waren notwendig, um meine linke Hüfte behandeln zu lassen. Ich habe mir eine Muskelentzündung zugezogen, bekam Spritzen, Elektroschocklaser sowie Salbenverbände verabreicht, mit dem Hinweis der Ärztin, täglich langsamer und weniger weit zu gehen und meinen Muskel zu dehnen. Ich wünschte mir so sehr, dass mein Körper sich regeneriert, und die Beschwerden auf Dauer behoben seien. Die Ärztin machte mir Mut und sprach mir gut zu. Ich weiß nicht was unangenehmer ist, die Schmerzen oder die unerträgliche Hitze über einen so langen Zeitraum. Ich hasse Hitze…

Geschäftsleute

In Bad Mergentheim wohnte ich im Stadthotel Alexander, geführt von einer griechischen Familie, bei der ich mich gut aufgehoben fühlte, und die für meine Sonderwünsche immer ein offenes Ohr hatten. Gute Küche und persönlicher Service ist dem Ehepaar Papadopoulus ein Herzensanliegen.

Die kleine Stadt hat mir sehr gut gefallen, der Kurpark ist für jedermann zugänglich, das Deutschordenmuseum sehenswert. Dort bekam ich freien Eintritt von dem Herrn an der Kasse als er hörte, ich sei zu Fuß unterwegs von Köln nach Rom. Aus gleichem Grund bekam ich einen neuen ungetragenen Badeanzug geschenkt von der Inhaberin eines Second-Hand Bekleidungsgeschäftes, damit ich die Therme besuchen konnte. Nello Gabini musste ich versprechen aus Rom eine Karte zu schicken. Falls ich tatsächlich in Rom ankommen sollte, tu ich das, versprochen, er hat den besten Kaffee in Bad Mergentheim und in bester Lage.

Sonnenstich?

Der Weg von Bad Mergentheim nach Weickersheim war anstrengend und kraftraubend. Die Wanderwege sind asphaltiert und führen nicht durch den Wald. Sonne von unten und oben. In Rotenburg ob der Tauber fehlte mir die Lust auf Besichtigungen. Ich kam morgens um 10:30 uhr an, und mir war übel. Übel vor Hitze. Ich nahm das erstbeste Zimmer, duschte, jammerte und erbrach mich. Kleiner Sonnenstich? Nasse Betttücher um den Körper gewickelt, nasses Tuch auf dem Schädel, so bin ich eingeschlafen. Ich habe das Bett bis abends nicht verlassen, um dann doch noch das Fußballspiel Deutschland-Uruguay zu sehen.

Der frühe Vogel fängt den Wurm…

Neuer Tag, neues Glück, neuer Elan. Was für ein herrlicher Tag!

Nach 3,5 Stunden Schlaf Abmarsch am frühen Morgen von Rothenberg nach Schillingsfürst. In der Früh um 5:30 Uhr wirkte die mittelalterliche Stadt ruhig und verschlafen. Kein Mensch war zu sehen, noch nicht einmal Japaner. Mir ging es gut und ich war dankbar. Ich habe gelernt Geduld mit mir zu haben, die Warnsignale meines Körpers zu beobachten und nicht mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Aufgeben wollte ich aber auch nicht, niemals, nicht so, unter diesen blöden Umständen. Telefongespräche mit meinen Söhnen und Freunden gaben mir Kraft und innere Ruhe.

In Gebsattel kam ich gegen 8:00 Uhr an und fand einen Dorfbrunnen, meinen Kopfschal mit Wasser tränkte, und mir wieder einen nassen Turban band. Ich begrüßte eine Bäuerin und fragte nach einem Gasthof, ich war noch nüchtern und wollte gerne frühstücken. Sie bat mich in ihr Bauernhaus und bereitete mir ein Frühstück zu mit frisch aufgebrühtem Gilles-Kaffee, frischer Melone, Käse, selbst gebackenes Brot und hausgemachtem Gelee. Köstlich! Ihre Mutter, die früher eine wunderschöne Frau gewesen sein musste, und heute auch noch schön aussieht, kam mit einer Kleepflanze aus ihrem Garten und schenkte sie mir. Ich solle sie trocknen und dann würde ich mich immer an sie erinnern. Werde ich!

Pausenbank

Dann ging es durch den schönen Laubmischwald, viele Kilometer auf Waldboden, welche Wohltat für die Füße und meine Hüfte. Kürz vor Schillingsfürst ließ ich mich auf einer Hausbank im Schatten nieder und schlief auch prompt ein. Die Hausbesitzer sorgten sich um mein Wohl und kochten eine Tasse Zitronentee für mich, besorgten mir eine Unterkunft und fuhren mich mit dem Auto die 1,5 km bis dorthin. Die Pension hatte Internetanschluss und ich durfte am hauseigenen PC meinen Bericht schreiben und per E-Mail versenden. Da habe ich aber Glück gehabt!

Spendenbereitschaft?

Es gibt jeden Tag Grund zur Freude über spontane Hilfeleistungen und Gesten von mir fremden Menschen, denen ich begegne. So wünsche ich mir, dass einige von ihnen meine Wanderschaft zugunsten von Kölsch Hätz gefällt und ein paar Euro spenden. Ich selbst habe keine Ahnung wer meine Berichte liest und wie viele Spendengelder schon zusammengekommen sind. Interessieren würde mich das schon. Es gäbe mir zusätzlichen Ansporn.

 
Bericht vom 30.Juli

Mal was Pragmatisches…

Mittlerweile ist mein Rucksack ein Teil von mir. Wie angewachsen. Einmal richtig eingestellt, mag ich ihn nicht mehr ausziehen, natürlich nur, weil dann die Prozedur der Neueinstellung von vorne beginnt. Je mehr Stunden vergehen, je mehr drückt mich jede Gramm in den Boden. Jeden Tag plane ich den Inhalt meines Rucksackes neu. Jeden Abend überlege ich, worauf ich verzichten könnte. Es gibt Dinge die ich haben muss, es gibt Dinge, die ich haben will. In einer Plastikhülle verpackt sind:

2 Slips

2 Sport-BH’s

Zwei Unterhemden aus dünner Merinowolle, 100 Gramm und 150 Gramm, auch als T-shirt zu tragen.

2 Paar Wollsocken (stinken nach drei Tagen noch nicht)

1 Funktionsshirt mit halben Arm

1 Langarmshirt mit Zipper aus Merinowolle (stinkt auch nicht so schnell)

1 kurze Hose

1 lange Hose

1 Regenhose (zur Not auch solo zu tragen)

1 Softshell-Jacke mit Kapuze

1 drei- Lagen- Jacke

1 Kleid

1 Paar Sandalen

1 Paar knöchelhohe Wanderschuhe aus Leder

Alles zusammen wiegt 7,1 Kg

1 federleichte Handtasche für abends, tagsüber im Rucksack gefüllt mit:

3 verschiedenen Netzbeuteln mit unterschiedlichem Inhalt

Peelinghandschuh

Haarwaschmittel

Gesichtscreme Zahnbürste und Zahnpasta

keine Körpercreme, dafür Sonnenschutzmittel und Mückenschutz

3 kleine wasserdichte Verpackungssäcke für evt.nasse Wäsche,

Netzsack gefüllt mit Kabelsammelsorium

Netzsack mit Asthma-Spray, Salben, Nagelpfeile, köeine Nagelbürste, Wimperntusche, 2 Lippenstifte, Sunblocker, flüssiges Waschmittel speziell für Funktionskleidung.

Dann ist dabei:

Messer

Streichhölzer

Zigarillos

1 kleiner Föhn

2 Haarbürsten

MP3 Player und Kopfhörer

Papier

Stift

Kamera

Hüftgurt

keine Wanderkarte, nur meine eigene ausgearbeite Route auf bestimmten Wanderwegen

Schrittzähler

Handy

Stöcke

Der Wassertank ist im Rucksack integriert mit Trinkschlauch vor der Nase und fasst 2 Liter Flüssigkeit.

Ich gebe oft ½ Liter Alkoholfreies Weizenbier hinein, das gibt Energie. Über den Geschmack der warmen Brühe lässt sich streiten.

Macht alles zusammen 10,0 kg Rucksackgewicht.

Die unangenehmste Zeit am Tag ist die, das Ziel in der Ferne zu sehen, und nicht zu wissen, wann eine geeignete Unterkunft zu erreichen ist. Dann kommen schon mal zusätzliche 2-3 km hinzu, die richtig weh tun. Dafür erkaufe ich mir die Freiheit absolut unabhängig zu sein. Ein vorgebuchtes Hotel anzugehen führt oft an zehn anderen Unterkünften vorbei, die genau so gut oder schlecht wären. Ich brauche nur ein Bett und eine Dusche. Mehr Ansprüche stelle ich nicht. Jeden Abend ist Waschtag im Handwaschbecken, und jeden Morgen ziehe ich frisch gewaschene Kleidung an.Seit fünf Wochen trage ich die gleiche Hose, das gleiche Hemd, die gleichen Socken, abends mein Kleid. Die Sachen finde ich schön, ich habe sie so gewählt und gekauft, dass ich mir jeden Morgen gefalle, und mich frohgelaunt auf den Weg mache.

Ich liebe es um 4:30 Uhr aufzubrechen und in den Morgen hinein zu gehen. Ich mag es wenn der Hahn kräht, die Vögel zwitschern, im Wald die Rehe abspringen und die kühle Luft meine Haut streichelt. Gegen 9:00 Uhr wird es warm und ich bin uf der Suche nach Wasser, um meine Kleidung und meine Kopfbedeckung zu zu kühlen. So kam ich an einem Bauernhof vorbei, und fragte nach einem Außenhahn. Der Bauer zückte seinen Wasserschlauch und ich erlaubte ihm dummerweise mich nass zu spritzen. Er hatte offensichtlich riesigen Spaß dabei; ich auch. Dann dieser Blick… so entschied ich, jetzt schnell weg. Übrigens, ich bin in Feuchtwangen. Der nächste Bericht folgt aus der Vergangenheit.

Sehen Sie sich die Internet-Seite KölschHätz an und sehen Sie was Nachbarschaftshilfe bewirken kann. Unterstützen Sie sie, ich tue es auch, auf meine Art.

Liebe Grüße

 

Bericht vom August 2010

Busfahrer, Bus fahren…

Von Feuchtwangen nach Dinkelsbühl gab es einen schönen Waldweg. Es war bewölkt, angenehm für die Augen, bei sommerlich angenehmen Temperaturen. Eine reine Genusswanderung. Am Ziel fühlte ich mich topfit,dennoch bin ich nach dem Duschen sofort eingeschlafen. Ich beschloss, zwei Nächte in Dinkelsbühl zu verbringen, ein Tag war zur Hälfte vergangen, und ich wollte noch ein Internetcafe finden, zum Drogeriemarkt gehen und waschen, sowie die nächsten Tage planen. Somit wäre mir keine Zeit geblieben die schöne mittelalterliche Stadt zu bewundern. Es bedankte sich meine linke Hüfte, die Schmerzen ließen nach. In einer Apotheke fragte ich nach Frubiase, die gezeigte Packung war viel zu groß, konnte ich leider nicht mitnehmen. Die Apothekerin verstand das natürlich und schenkte mir alternativ eine lange, dünne Rolle Brausetabletten. In Dinkelsbühl verabschiedete ich mich mit ein wenig Wehmut vom Fernwanderweg E8, dem ich seit Köln gefolgt bin. Er führt die Wanderer in Richtung Osten und ich folge dem blau-weiß gestreiften Main-Donau-Weg nach Süden.

Jagdrevier

Morgens um 5:25 Uhr fuhr ich mit dem Bus von Dinkelsbühl nach Wilburgstetten. Von dort zu Fuß den Pfeilen des Main-Donau-Weges nach Fremdlingen, folgend durch den Weiltinger Forst über Bosacker, und weiter durch den Öttinger Forst. Es war ein traumhafter Weg. Ich kam an gepflegten Wildäckern und an gekennzeichneten Ruhezonen fürs Wild vorbei. Die Jagdeinrichtungen sahen solide, stabil und neu aus, obgleich gelegendlich übertrieben groß für den Nachtansitz. Am Rande zu den landwirtschaftlichen Flächen sah ich Elektroeinzäunungen mit Solarantrieb zum Abhalten von Schwarzwild. Die Maisschläge sind sehr groß und bieten ein wahres Schlaraffenland für Schweinerotten. Das Wetter an diesem Morgen war endlich mal kühl und regnerisch. Der Himmel war bedeckt, es brodelte rundherum.Es regnete, mit dem Erfolg, dass das Nass gleich wieder verdampfte. Der Boden war so hart und ausgetrocknet, dass nur ein gleichmäßiger, seichter Regen über Stunden etwas hätte bewirken können. Für mich allerdings war es toll. Im Shirt durch den Wald, und kühle Tropfen auf Kopf und Haut, welch ein Hochgenuss! In Fremdlingen machte sich verstärkt mein Hüftmuskel bemerkbar, ich nahm eine Aspirin und ging ins Bett. Eine innere Stimme sagte mir, ‚Fahr mit dem Bus‘.

Das ‚Ries‘

So stieg ich am nächsten Tag in den Bus von Fremdlingen nach Nördlingen. Ich wusste nicht, dass diese Strecke stinklangweilig, öde, nur flach und schattenlos war. Woher hatte ich die Eingebung, den Weg nicht gehen zu müssen? Der Busfahrer war ein Fremdenführer. Er erklärte mir das Ries, entstanden durch einen Meteoriteneinschlag mit einem Durchmesser von 25 km. Für Geologen ein wahres Paradies, für Wanderer wie mich, eher trist. Den kreisrunden, bewaldeten Rand sähe ich sehr eindrucksvoll vom Daniel-Turm in Nördlingen. Ich dürfe die Stadt nicht verlassen, ohne den Turm bestiegen zu haben… Und da ich gut erzogen bin, hörte ich auf ihn. Ich hätte es natürlich besser sein lassen, die Strafe folgte auf den Fuß, ohne Umwege in meine linke Hüfte. Wieder ein Aspirin, dehnen, Stentbehandlung, Voltaren und weniger Bewegung, früh ins Bett, vorab waschen, pöanen, Kurznotizen aufschreiben, Wetterbericht schauen. Wenn ich keine stärkeren, gesundheitliche Probleme haben möchte, und weiterkommen will, muss ich täglich weiterhin einen Teil meiner Tageskilometer mit dem Bus fahren. Mein Plan stand fest. Busfahrt von Nördlingen nach Mönchsdeggingen. Dumm war nur, dass der erste Bus des Tages erst um 11:05 abfuhr und um 11:26 Uhr ankam. Er fährt 21 Minuten, für mich wäre das eine Tagesetappe gewesen von 19 km und etwa 5 Stunden. Von Mönchsdeggingen nach Harburg ging ich durch die Hitze mit vielen, kleinen Pausen und nasser Kopfbedeckung. Insgesamt waren es nur 13,5 km an diesem Tag.

Bettenknappheit

Mönchsdeggingen liegt am Rande des Ries, gleich an den Hügeln. Oberhalb des Klosters führt ein Waldweg nach Harburg. Gut zu gehen auf Waldwegen und Fordtwegen. In einer Waldschänke legte ich eine Pause ein und dort erfuhr ich, dass in Harburg an diesem Wochenende Burgfest war, und alle Unterkünfte belegt seien. Daraufhin zückte ich mein Buch, rief einige Pensionen an, die dort verzeichnet waren…alle ausgebucht. Man verwies mich auf das nächste Dorf Wörnitzstein. Das waren zusätzliche 11 km. Mein Entsetzen war groß… Ein Gast, der mich beobachtet hatte gab mir einen Tip für ein Cafe namens ‚Bagatelle‘, das auch Zimmer in Harburg vermietet. Ein anderer Gast besorgte das ‚Örtliche‘ und suchte mir die Nummer raus. Bingo! Ein Einzelzimmer war noch frei. Ich war überglücklich und verabredete mich mit dem Herrn samt Hund im Cafe in Harburg.  Als ich den steilen Weg von der Burg zum Marktplatz hinunter kam, sah ich schon Hund und Herrchen. Es war noch schön früh und so schrieb ich meine Gedanken auf. Der Sohn des Hauses lieh mir seinen Laptop.

Es sind noch 173 km bis Füssen, dann habe ich mein persönliches erstes Etappenziel erreicht. Ich bin in Donauwörth, ein paar Stunden, dann geht es weiter…

Lasse Sie sich begeistern von Kölsch Hätz, lassen Sie sich ermutigen für die Nachbarschaftshilfe ehrenamtlich zu arbeiten, Spenden sind auch willkommen. Verwendungszweck: Köln-Rom

Danke und liebe Grüße

 

Berge in Sicht…

Von Donauwörth war es eine längere Strecke, etwa 25 km, die ich sehr gut gegangen bin. Es lag gewiss an den vielen Pausen, die ich mir gegönnt habe.

Morgens sprach mich eine Frau vom Gartenzaun aus an, ob ich Lust auf einen Kaffee hätte. Und ob! Frau Schimpf hieß sie, den Namen hat sie nicht verdient. Ihr Ehemann gab mir ein Mittel gegen Juckreiz. (meine Unterarme hatten seltsame Pusteln von Insekten oder der großen Hitze). Ich kannte das Gel nicht, aber es half mir.

Erfrischt und gestärkt ging ich weiter bis zurKlostergaststätte Holzen. Es war ziemlich voll dort, alle Plätze besetzt oder reserviert. Die Kellnerin musterte mich, und wollte mich hinten im Biergarten auf unbequemen Gartenstühlen in der prallen Sonne sehen. Niemand saß dort, es war eine Zumutung mir einen Platz in der prallen Mittagssonne anzubieten. Ich verhandelte ohne Erfolg. Die Kellnerin wollte mir partout keinen akzeptablen Platz anbieten.

Mitgefühl

Ich stand mit meinem Rucksack zwischen Gastraum und Terrasse und war ungeduldig, verärgert und ratlos. Hinter mir saßen an einem großen Tisch sieben Personen.Sie lasen meinen ‚Kölsch-Hätz-Flyer‘ am Rucksack und sprachen mich an, mit der Aufforderung, mich an ihren Tsch zu setzen. Nur zu gerne! Es war eine Familie, die den 60.Geburtstag der Mutter feierten. Wir unterhielten uns angeregt. Ich bestellte mir ein alkoholfreies Weizenbier und eine Gurkenkaltschale mit Garnelen. Sie stellten mir die Frage nach meinen Beweggründen für diese Reise. Es fällt mir schwer zu antworten, ich spreche nur allgemein, persönliches ist meinem Tagebuch vorbehalten. Dennoch, Alleinsein, Selbstverwirklichung, Glaube, Reue, Abenteuerlust, Suche nach dem Sinn des Lebens, Zukunftsfragen? Von jedem etwas, antwortete ich dann. Die Frage für meine Zukunft ist mir klarer geworden, seid ich unterwegs bin. Noch bin ich nicht an meinem Ziel angelangt, die Zukunftspläne sehe ich jedoch mit jeder weiteren Wanderwoche präziser und deutlicher. Ein gutes Gefühl.

Von Mittag bis abends ging ich entlang der Schmutter. Hier sehe ich häufig das Wanderzeichen Jakobsmuschel, vom Jacobsweg Richtung Augsburg

.Im Getreidefeld stand eine Ricke mit Kitz. Ein Fuchs schnürte vor mir her, die Tiere fühlten sich sicher, der Wind war gut, und so gelangen mir schöne Fotos am hellichten Tag.

Eine Selbstbehandlung mit meinem E1-Stift bewirkte Linderung an der linken Hüfte, die Aussagen des Tensors zeigten Probleme am Kreuzbein. Seitdem beziehe ich das Kreuzbein mit ein, ich gehe entspannter und länger ohne Schmerzen.

vorreserviert…

Eines Morgens traf ich ein Ehepaar, und sie wünschten mir nach einer kurzen Unterhaltung einen guten Wandertag. Am späten Nachmittag, kurz vor meinem Tagesziel, fiel mir ein Mann in seinem Vorgarten auf , der mich aus der Ferne beobachtete. Als ich näher kam erkannte ich ihn wieder. Er war der Mann, den ich morgens mit seiner Frau getroffen hatte. Er sagte:“Ich warte schon geraume Zeit auf sie. Ich wußte, sie würden hier vorbeikommen. Ich habe mir erlaubt ein Zimmer vorzureservieren. Ich hoffe, es ist ihnen recht.“ Na klar doch, ein Problem weniger. Ich habe mich sehr gefreut.

Negativschlagzeilen…

Ist Dienstleistung ein Fremdwort?

Das von mir bestellte Taxi kam am Bahnhof Mering vorgefahren, der Taxifahrer winkte mich aus dem Autofenster heran, stieg nicht aus seinem Wagen aus, öffnete mir nicht die Tür und nahm mir nicht den Rucksack aus der Hand. Daraufhin beschwerte ich mich und der Taxifahrer lachte mich aus. Ich hätte schließlich einen Rucksack und wenn ich nicht in der Lage sei, diesen auch in sein Auto zu tragen, so solle ich mit Koffer verreisen. Ich habe mich auf keine Diskussion eingelassen und wies ihn an, mich dorthin zu bringen, wohin ich wolle, an die Staustufe 19 der Lech. Der Fahrer versuchte mich ständig zu provozieren. Ich ging nicht darauf ein und verließ das Taxi mit guten Wünschen für den Rest des Tages.

die Bayern…

Der Wanderweg entlang der Lech entschädigte für den Ärger. Es waren viele Radfahrer unterwegs, alleine bin ich nicht mehr. Entweder liegt es daran, dass die Ferien begonnen haben, oder daran, dass das Einzugsgebiet der größeren Städte sich bemerkbar macht. Ich habe Schwierigkeiten die Bayern zu verstehen. Sie sprechen oft schnell oder rufen mir beim Vorbeiradeln etwas zu, der Dialekt ist nicht leicht verständlich. Anderseits, wenn ich mit den Bayern ‚kölsch‘ sprechen würde, könnten sie auch kein Wort verstehen.

 

Zweite Negativmeldung:

 

Zur Sache…

„Ich mag keine Kölner. Wenn die schon den Mund aufmachen, könnte ich rein schlagen.“ sagte ein Mann um die 50 zu mir am Essenstisch. Kein Kommentar!

Von Landsberg nach Mundraching oberhalb der Lech ging es nur durch Wald und die Sommerzeit mit ihren belaubten Bäumen gab nur an wenigen Stellen den Blick auf den Fluss frei.Gut zu gehen, mit leichten Auf und Ab’s. In Mundraching, das Tagesetappenziel hatte der Gasthof geschlossen und bis Hohenfurch wären es weitere 17 km gewesen. Mein Kopf wollte nicht mehr weiter, er war auf Endstation programmiert. Ich war auf dem Nullpunkt und ich legte mich auf eine Scheunenrampe und schlief ein. Plötzlich weckte mich ein Mann und reichte mir Wasser. „Hier trinken Sie frisches Quellwasser, dann geht’s wieder.“ Er war so nett und fuhr mich mit seinem Auto ins Landhotel Hohenwart, ein paar Kilometer entfernt.

Ich war total glücklich. Eigentlich heißt mein oberstes Gebot: Steige nie alleine in ein Auto ein mit einem Mann den du nicht kennst.

Am nächsten Tag Abmarsch nach Peiting zum Gasthof Buchberger. Ein schöner, strammer Wandertag. Peiting ist ein langgestreckter Ort und der Wanderweg führt erstmals quer durch diesen und weitere 3km Landstraße, bis es in den Wald geht. Es regnete in Strömen, endlich mal, einerseits und anderseits. Der Gastwirt hat von sich aus am darauffolgenden Morgen angeboten, mich mit seinem Auto zum Waldrand zu fahren, mit dem Hinweis sehr vorsichtig zu gehen in diesem Wetter. Der Weg hätte seine Tücken. Er sollte Recht behalten, es ging abenteuerlich auf schmalen Pfaden, über Holzbretter, Holzbrücken und Streckmetallstegen an der Ammer entlang.

Die Holzbretter waren glitschig, bei den Anstiegen kam mir das Regenwasser entgegen, die Ammer trat über die Ufer, ein nicht ungefährlicher Weg bei heftigem Regen. Nach einem langen und steilen Anstieg lag das Alpenvorland vor mir. Ich sah typische Almwiesen, Hütten, Hügel Kühe, nur leider noch keine Berge, die waren von den Regenwolken verhangen. In Halblech angekommen, traf ich in der Pension Wildbach, gleich am Wanderweg gelegen, eine Mutter mit ihrem 7-jährigen Sohn. Sie kamen aus Würzburg, waren zu Fuß von dort unterwegs auf dem Weg zum Bodensee und wollten den Bodensee einmal umwandern. Der Kleine war motiviert und guter Dinge. Sie gehen täglich 20 km und mehr, lassen ihr Gepäck vorausschicken. Alle Achtung, mit Kind so lange unterwegs zu sein!

Am Kiosk Abakadabra in einem Dorf kurz vor Schwangau trank ich kalte Buttermilch und legte eine Pause ein. Die Stelle war so gemütlich, der Betreiber ein interessanter Mann, der ein Sammelsurium von Altertümlichen um sich herum sammelte und Wachgänse hielt. Ich glaube, sie gehörten ihm. „Die Gänse sind besser als jeder Wachhund,“ meinte er.

Juhuuu! Ich bin in Füssen!!

Ich hatte mir ein Ziel gesetzt, Rom zu erreichen. Doch insgeheim war ich in Köln bei der Planung meiner Tollkühnheit nicht soo sicher und räumte ein, möglicherweise in Füssen die Wanderung zu beenden. Und jetzt? Ich hatte es geschafft und dachte nicht daran aufzugeben. Nein, Rom, das ist mein Ziel!

Nach 800 gegangenen Kilometern geht es nach vier Tagen Geh-pause von Oberstdorf in die Berge.

Der Weg von Füssen nach Oberstdorf ist kein Weg für Wanderer. Also fuhr ich mit dem Bus.

Wie es mit der Berichterstattung weitergeht, kann ich nicht sagen. Spätestens wenn ich Italien erreicht habe, schreibe ich wieder.

Denken Sie an Ihre Mitmenschen in der nahen Nachbarschaft und unterstützen Sie die Arbeit und den Einsatz von Kölsch-Hätz, durch ehrenamtliche Mitarbeit oder mit einer Spende. Verwendungszweck: Köln-Rom

 

 

Über die Alpen talpen…

Oberstdorf-Meran

Zehn Tage zu früh in Oberstdorf führte mich mein Weg zum Oase-Alpin-Center, mit der Frage, am nächsten Wochenende schon mitgehen zu können. https://www.oase-alpin.de

Thomas Rittnek machte es möglich. Ich sprach mit ihm über meine Hüftprobleme und über meine Null-Erfahrungen in den Bergen. Er empfahl mir eine Kurztherapie bei dem Ergotherapeuten Steffen Barth in Oberstdorf, und meine Fitnessbedenken wegen der Alpenüberquerung tat er ab mit dem Hinweis, es ginge auch ein Ehepaar aus Hamburg mit. Na dann…

Behandlung…

Auf Empfehlung von Thomas bekam ich telefonisch bei Steffen Barth einen Termin am folgenden Morgen. Er checkte mich durch von Kopf bis Fuß, er prüfte die Dehnbarkeit meiner Gliedmaßen, und stellte Verkürzungen meiner hinteren Oberschenkelmuskulatur fest. Ein Muss für mich seien Dehnübungen, habe ich schon einmal gehört. Er behandelte mich mit der APM-Methode. Er setzte mir ein Stentgerät an das Kreuzbein, und auf den Rücken legte er mir eine herrlich warme Moorpackung. Ein Laserstrahl aktivierte meine Thymusdrüse. Seine besondere Aufmerksamkeit galt meiner großen Bauchnarbe an der Bikinizone, die von der linken Hüfte bis zur rechten Hüfte reicht. Auf die Narbe klebte er hauchdünne Silberfolie, die mit Pflasterstreifen fixiert wurde. Es war ein von ihm entwickeltes Verfahren, mir half es. Der untere Bauchbereich schwillt seitdem bei Anstrengung nicht mehr an und verhärtet sich nicht mehr. Diese Behandlung bekam ich drei Tage in Folge. Steffen Barth versprach mir Langzeitwirkung. Ja, immerhin bin ich hüftschmerzfrei über die Alpenpässe gestiegen. Danke Herr Barth.

Es waren vier Tage in Oberstdorf, bis es dann am Sonntag mit dem Bergführer Louis Pirpamer und der Bergführerin Angelika endlich weiterging. Die Rucksäcke wurden gewogen, 10kg sollten nicht überschritten werden. Wir bekamen jeder eine Trinkflasche mit Hüftgurt und ein pinkfarbenes Käppi mit Werbeaufdruck. Schick!

erster Tag…

Der erste Tag galt dem Eingewöhnen. Kam mir nicht so vor, es war ein Anstieg über drei Stunden. Wir haben es gut geschafft, für mich war es schon anstrengend. Wie gut, dass ich nicht immer im Voraus weiß was noch alles kommt.

Wir waren 24 Personen. Schnell zeigte sich, wer lieber das schnelle Gehtempo von Angelika, oder die ruhige Gangart von Louis bevorzugte. Und so bildeten sich zwei Gruppen. Wir trafen uns aber immer wieder und warteten aufeinander, entweder am Lift oder auf den Hütten. Ich ging immer mit Louis. Seine Gangart war unvergleichlich. Er ging langsam und federnd, er hatte immer das gleiche Schritttempo, egal ob bergauf oder bergab oder ebenerdig. So gut wie keine Verschnaufpausen, er schraubte sich wie eine Raupe oder ein Panzer den Berg hoch, langsam, Meter für Meter.

In der Kemptener Hütte angekommen (1845 m) gab es eine Dusche für ca. 100 Wanderer und kein warmes Wasser mehr. Ich schlief mit vier Schweizerinnen in einem Zimmer, jede hatte ihr eigenes Bett. Ich kaufte mir einen Hüttenschlafsack und ein paar Latschen. Ich schlief mit Kopfschmerzen ein und wachte mit Kopfschmerzen auf.

Louis gab mir den Rat, keine kalten Getränke zu trinken und alle 10 Minuten 2-3 mal ganz tief einzuatmen. Grund meiner Kopfschmerzen sei die ungewohnte Höhe. Rat befolgt, prima, half, Kopfschmerzen weg, kamen nicht mehr wieder.

zweiter Tag…

Montag morgen leichter Anstieg von der Kemptener Hütte zur Memminger Hütte über die Seescharte und dann entlang auf halber Höhe durch traumhafte Landschaft. Waldboden, Lichtungen, Hütten, Bäche, Brücken. Ausdrücke wie:“Is dat scheen!“ oder „Du bist aber en Liebes, Scheenes, Guutes!“ Gemeint waren von Hemma Kühe oder Ziegen. Sie sagte auch:“Nee, schau her, da isses, wie heischt et noch, ist et nit scheeen?“ Dann meinte sie seltene Pflanzen. Begeisterungsfähig waren wir alle. Ein jeder fand etwas anderes ’scheen‘ und so lernten wir voneinander. Geschlafen haben wir auf einem Matratzenlager zu zehnt. Mehr Personen als Matratzen , daher waren einige Ritzenschläfer dabei.

dritter Tag…

Am nächsten Morgen etwas unausgeschlafen, eine Stunde Aufstieg zur Seenscharte bei Regen auf 2600m. Und dann Abstieg über 5 Stunden durch das Lochbachtal bis Zims im Inntal. Eine traumhafte Strecke. Mittwoch war ein langer und anstrengender Tag. Zum Glück gab es einen Rucksacktransport mit der Seilbahn. Wir den Berg zu Fuß hoch, oben angekommen, Rucksäcke auf den Buckel und weitere 3 Stunden von Zams am Hang entlang der Almwiesen bis zur Larcher Alm. (1844m). Wie waren insgesamt 11 Stunden auf den Beinen, bis wir die Unterkunft für diesen Tag erreichten. Dort war es urgemütlich, lecker Essen gab’s. Spätzle mit Käse in zwei großen gusseisernen Pfannen gereicht, Salat dazu, zum Nachtisch saftiger Kuchen. Und ein Mädchenzimmer unter dem Dach. Und…ausreichend warmes Duschwasser für uns alle. Zwei Töchter, zwei Hunde, zwei Katzen, ergaben ein wildromantisches Bilderbuchalmleben.

Am nächsten Morgen zeigte sich für die Frühaufsteher unter uns ein beeindruckendes Bergpanorama. Nebel im Tal, Sonne und Berge auf unserer Augenhöhe.

Nach einem deftigen Frühstück und guten Wünschen der Almgastwirte ging es 2 Stunden bergab nach Weens (982 m).

vierter Tag…

Ab Weens fuhr uns ein Bus durch das Pitztal zum Lift, wo wir abermals unsere Rucksäcke aufgaben. Für den Aufstieg über 1200 Höhenmeter zur Braunschweiger Hütte auf 2759 m. Es war sehr warm und ich fluchte leise vor mich hin. Es war ein steiler Aufstieg, aber leicht zu gehen an einem Wasserfall vorbei. Sehr schön, bis wir auf eine asphaltierte Straße kamen, sie gehörte zur Staumauer, die das Wasser in seine Schranken verwies, und nur durch einen kleinen Tunnel den Weg zum Tal freigab. Für uns ging es weiter, einen schmalen, steilen Weg, der, je höher wir kamen, immer schmaler wurde. Die Trittstufen in den Felsen wurden immer höher und einige Frauen brauchten Hilfe. Ich auch. Joachim und Alfons zogen uns mit den Stöcken hoch. Das klappte auch bei mir prima. Ich hatte allerdings zu viel Schwung und rutschte noch mal nach hinten weg. Alfons hielt fest und ich zog mich mit meinen Armkraftreserven neben ihn. Mal wieder einen guten Schutzengel gehabt. Das war kein Aufstieg für Ungeübte wie mich. Aber es sollte später noch ärger kommen.

Auf der Braunschweiger Hütte angekommen, schien die Sonne warm, aber mir war eiskalt. Ich zog alle meine Jacken übereinander an und zog die Kapuze über den Kopf. Ich bestellte mir einen Jagertee und noch einen und dann glühte ich.

Die Hütte hat 175 Schlafplätze und alle waren belegt. Es ist nicht so, dass unsere Gruppe alleine unterwegs wäre. Weit gefehlt. Es ist wie auf einer Autoschnellstraße für Wanderer. Ein ständiges Überholen, Entgegenkommen, Vorbeilassen und dabei darf man das Grüßen nicht vergessen.

fünfter Tag…

Nachts fing es an zu regnen. Morgens schneite es. Losgehen um 8:00 Uhr von der Braunschwaeiger Hütte, ein wenig Abstieg, dann Aufstieg auf über 3000 m. Der Schnee wurde mehr, die Felsen rutschiger, ich unsicherer. Ich stellte mir schreckliche Dinge vor und dann fragte ich mich: „Bin ich die einzige von uns die die Lage als gefährlich einstuft oder traut sich keiner den Mund aufzumachen?“ Kurz danach war meine Toleranzgrenze überschritten und ich zweifelte an der Sicherheit. Das sagte ich dann abends auch Louis am Essenstisch. Er sagte mir ruhig und unerschrocken, er hätte uns jederzeit im Auge behalten, und ich hätte nicht den Eindruck erweckt, Angst zu haben oder aufzugeben. Wenn ich ihn angesprochen hätte, so hätte er mich ans Seil genommen. Hätte, hätte, hätte… Hätte er uns das vorher erklärt, wäre ich beruhigt gewesen. Dann habe ich gehört, dass Bergführer schweigsame Gesellen sind und nur das Nötigste preisgeben.

Später erklärte uns Louis, dass er am Hang bei jeder Kehrtwende die Leute hinter ihm beobachtet und an der Körperhaltung, Atmung, Gesichtsausdruck, an der Hautbeschaffenheit um die Nase herum u.v.m. den Zustand und das Befinden jeden Einzelnen erkennen und beurteilen kann.

Das Hotel Post in Vent ist eine Wohltat für Leib und Seele. Wir verdrängten, dass es abends, als wir aus dem Fenster schauten, schneite. Wir waren im Tal, in Vent, und es schneite. Außerdem war August.

sechster Tag…

Wir gingen bequem am Berghang kontinuierlich ohne Anstrengung nach oben , und legten eine kurze Pause in der Martin Busch Hütte ein. Von dort ging es weiter über einen Gletscher zur Similaun Hütte (3019 m). Es war der 7. August und Eiszapfen hingen vom Dach. Dort pfiff der Wind und stob die Wolken vor sich her, so dass der Blick auf den Vernagt Stausee von einer Minute auf die andere frei oder komplett verhangen war. Einige Fotos mussten sein, atemberaubend dieser Anblick, und dann hinein in die gemütliche Stube. Für mich war der Aufstieg ein Hochgenusserlebnis, ich fand es nicht anstrengend, und obwohl wir nicht viel von den Bergen rundherum sehen konnten, überkam mich das ultimative Glücksgefühl auf 3019 m gestiegen zu sein.

Dieses Gefühl legte sich schnell bei dem Gedanken auch wieder hinunter zu müssen. Der Abstieg war sehr steil und mit Schnee bedeckt. Ich war unsicher auf den Beinen. Die Gruppe war super. Sie war geduldig mit mir und ließen mir viel Zeit. Bernd hinter mir und Alfons vor mir redeten mir gut zu, und so kam ich , wie alle anderen, heil unten an. Die letzten Kilometer bin ich rückwärts runter, zu sehr schmerzten die Knie. Sie schmerzten so sehr, ich hätte heulen können. Immer diese Wehwehchen!!!! Der eine oder die andere aus der Gruppe hatte auch seine Probleme mit dem Körper, aber der größte Teil meiner Mitwanderer lief die Woche locker durch. Und das unabhängig vom Alter.

Der Bus brachte uns vom Stausee nach Meran in ein Stadthotel, in dem wir die letzte Nacht vor der Abreise gemeinsam verbrachten.

Louis und Angelika hielten eine kleine Abschiedsrede und schenkten uns eine schöne Broschüre mit Widmung im Innenteil.

Falls jemand von meiner Familie oder meinen Freunden daran zweifeln sollte, dass ich über die Alpen getalpt bin, halte ich ihnen diese Broschüre unter die Nase. Und wenn ich wieder zu Hause bin, kommt die Widmung in einen Rahmen und die hänge ich in meinen Flur. So stolz bin ich die schwierigste Etappe auf meinem Weg nach Rom tatsächlich geschafft zu haben.

Ich bedanke mich bei Louis, dass er uns so gut geführt hat. Seine ruhige Art lernte ich erst innerhalb der Woche zu schätzen. Ich hatte das Gefühl, wir mussten uns erst beschnuppern und manche Dinge brauchen Weile, und dann klappt es plötzlich besonders gut. Wir hatten einen guten Führer, den Mann mit der größten Erfahrung von allen Bergführern. Danke Louis, ich stelle für dich eine Kerze in Rom auf.

Nachruf: Zwei Jahre später, 2012, ist Louis Pirpamer verstorben.

 

Kurze Zusammenfassung:

  1. Tag von Oberstdorf auf Kemptener Hütte (1844 m) 850 m auf

  2. Tag von Kemptener Hütte zur Memminger Hütte (2242 m) 940 m auf + 870 m ab

  3. Tag von Memminger Hütte zur Seescharte (2599 m)

    vom Lechtal ins Inntal nach Zams 420 m auf + 1890 m ab

  4. Tag von Zams zur Braunschweiger Hütte (2758 m)vom Inntal ins Pitztal 1020 m auf + 1230 m ab

    1. Tag von Braunschweiger Hütte

      Aufstieg in die Gletscherregion der Wildspitze ( 2996 m)

      Panoramaweg bis Vent

    2. Tag von Vent zur Martin Busch Hütte (2501 m)

      zur Similaun Hütte (3019 m)

      Abstieg bis Vernagt Stausee 500 m auf + 1200 m ab

Meine Meinung ist diese Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran keine Tour für Ungeübte.

Wer wie ich, noch nie in den Alpen unterwegs war, sollte mit einer Tageswanderung oder einer Wochenendtour herausfinden, ob er körperlich fit genug ist, ob Trittsicherheit vorhanden ist und ob er schwindelfrei ist.

Es war eine erlebnisreiche Woche, ich habe viel gelernt, musste mich nach dem langen Alleinsein an die Gruppendynamik gewöhnen und mein Fazit lautet: Es war super toll!

 

Ja, ich gehe weiter…

 

Ja, ich gehe weiter. Ich brauche zwei Tage Pause und dann geht es wieder. So anstrengend wird es bis Rom nicht mehr werden. Die Berge sind nicht mehr so hoch und der Fernwanderweg führt an den Hängen entlang und selten über die Bergkuppen hinweg.

Dafür meldet sich der Sommer zurück. Ab Sonntag werden 30 Grad erwartet. Verflixt noch mal!

Zu guter letzt habe ich jetzt eine dicke Lippe. Ich sehe aus wie eine Frau mit Entenschnute. An der Rezeption vom Hotel versprachen sie mir Linderung innerhalb der nächsten drei Tage. Käme von der Sonne aber vor allem vom Wind hoch in den Bergen. Dabei hatte ich Sonnenschutz als Lotion und einen Stift für Nase, Lippen und Kinnbereich mit Schutzfaktor +50 in Gebrauch. Weitere Wehwehchen folgen in den folgenden Berichten garantiert, bin ja noch nicht in Rom.

Bitte sehen Sie sich die Hauptseite von Kölsch-Hätz an und informieren Sie sich was was Nachbarschaftshilfe ist. Ich gehe den Weg nach Rom privat und dennoch würde ich mich freuen, wenn meine Anstrengungen für Kölsch-Hätz Erfolg hätten.

Liebe Grüße aus Meran

 

Über die Alpen talpen…

2.Teil: Bozen – Rovereto

Meran

Nach der Abreise der Gruppe blieb ich zwei Tage im Hotel am Thurm in Meran. In aller Ruhe schrieb ich meinen achten Bericht und ab und an führte der PC sein Eigenleben. Ich war auf Hilfe angewiesen und Tochte und Sohn des Hauses schauten nach PC und mir. Nachdem ich auch alle Fotos auf meinem USB-Stick geladen hatte, gönnte ich mir einen Rotwein, der mich umhaute. Ich vertrage nichts mehr, was ist los mit mir? In der Nacht schlief ich wie ein Murmeltier und den Tag begann ich gut ausgeschlafen.

In Meran war ein Straßenfest, einmal Promenade rauf und runter, das reichte mir. Mit einem Sessellift fuhr ich zum Tiroler Dorf außerhalb der Stadt. Von dort hatte ich einen schönen Blick über das Tal und die umliegenden Dörfer. Beim Hinunterfahren mit dem Lift krabbelte ein Vater auf allen vieren durch die Brennnesselnund suchte den verlorenen Schuh seines Sprösslings. Am Ausgang vom Lift stand die genervte Mutter mit ihren drei kleinen Kindern, die das, was der Vater da veranstaltete, lautstark kommentierten.

Ich hatte genug von der Stadt und wollte weiter. Aber wie? Die Profis laufen nicht von Meran nach Bozen, sondern nehmen erst in Bozen die Route vom E5 Richtung Trento wieder auf. So bin ich zum Bahnhof und erkundigte mich nach Bahnverbindungen und einer Busalternative. Beides wäre möglich gewesen, aber wenig spannend. Hinter dem Bahnhof gab es einen Fahrradverleih, der mit der Bahn kooperiert. Man kann etappenweise das Rad leihen und am selbsternannten Ziel abgeben. So fuhr ich Montag morgen mit dem Stadtbus 2 ohne Rucksack zum Bahnhof, holte mir ein E-Bike ab, fuhr zum Hotel zurück, nahm meinen Rucksack und fuhr mit dem E-Bike raus aus der Stadt, an der Etsch entlang nach Bozen, zur Information in die Innenstadt. Das war ein aktiverer Trip als mit Bus oder Bahn, wenngleich es hübschere Fahrradwege gibt. Auf der rchten Seite der Etsch war die Autobahn, links neben dem Radweg die Schienen der Bahn.

Mir ist aufgefallen, das E-Bike fahren, selbstverständlicher ist als bei uns in Deutschland. Ich wollte es immer mal ausprobieren, tolle Sache.

Bozen…

gute Wanderkarten sind unentbehrlich

Bozen gefällt mir. Schöne Einkaufspassagen und Laubengänge mit teuren Boutiquen prägen das Stadtbild. Ich könnte hinweisen auf die Ausstellungen, den Dom, die Museen und andere kulturelle Ereignisse. Darüber gibt es Bücher, da mag jeder nachlesen was ihn interessiert. Mein Ziel dagegen war ein Buchladen, ich brauchte vernünftiges Kartenmaterial für den Weg von Bozen nach Verona. Ein eifriger Berater verkaufte mir eine Karte in der alle Wegesabschnitte des E5 von Bozen nach Verona zu lesen sind. Ortschaften mit Bergen und Höhenangaben, Passgänge, und Hütten sind vermerkt. So spare ich Gewicht und der E5 ist auf den Wegen wirklich gut markiert. (Kompass: Europäischer Fernwanderweg E5 Teil Süd.) Für Extremwanderer reicht diese Karte nicht aus.

nette und weniger nette Begegnungen…

Dienstag morgen wollte ich die erste Seilbahn um 7:00 Uhr besteigen. Ich kam nicht in die Pötte und so war ich erst um 8:30 Uhr aus meinem Hotel raus, nahm den Stadtbus und fuhr zur Kohler- Seilbahn, die mich ruckzuck auf 1135 Hm brachte. Der E5 führt durch schöne Waldlandschaft, stetig bergan, dann wieder runter und wieder rauf, ein ständiger Wechsel. Am ‚Wolflhof‘ überkam mich ein kleiner Hunger. Ich setzte mich zu einem Ehepaar auf eine Bierbank in den Schatten und bestellte eine Gemüsesuppe mit Würstchen. Die beiden fielen mir auf, sie trugen Motorradbekleidung. Wir unterhielten uns, sie wohnten in Bozen und zuckelten gemütlich mit ihrer Harley durch die Lande. Als ich bezahlen wollte, war das schon erledigt. Hab ich mich gefreut!

An diesem Tag bin ich bis Deutschnoven gekommen.Am Vortag gebucht, stellte ich mir die Strecke länger vor. So war ich schon um 15:30 Uhr am Ziel. Ich duschte, legte mich ins Bett, Augen zu, das war’s. Abends habe ich viel telefonieren müssen, bis ich eine Unterkunft für die nächste Nacht bekommen habe. Die Italiener haben Ferien und alles ist ausgebucht und entsprechend wirsch und ungeduldig sind die Gastwirte. Bisher hat es immer noch geklappt, und meine Hartnäckigkeit half mir dabei. Zwei Nächte vorgebucht, zwei Sorgentage weniger. Und danach wird sich zeigen wie es weitergeht.

Morgens stieg ich in den Bus Richtung ‚Truden‘ , stieg aber am Kloster Weissenbach aus. Zwei Stunden gehen gespart. Hinter dem Kloster führt der E5 gleich heftig steil bergan. Bergauf, bergab, wie jeden Tag.

Ich kam an einem geologischwertvollen Landstrich vorbei. Gesteinschichten aus Jahrhunderten werden an Hinweistafeln erklärt mit netten Sagen um einen Riesen der die Edelmannstochter entführen wollte, erschlagen wurde von einem mutigen Anwohner damaliger Zeit.

Nach 7,5 Stunden bin ich in Truden angekommen, ich gehe langsamer, brauche mehrere kleine Pausen. Es war notwendig, aber ich mag keine vorreservierten Gasthöfe, es lag natürlich am untersten Ende des Bergdorfes und ich konnte nicht umhin zu fluchen. Und es war teuer. Klar, Ferienzeit, Zimmerknappheit, Preise hoch.

Spiritualität und Glaube…

Es gibt immer wieder Situationen, die mich zum Nachdenken bringen.

Ich stand an einem Wasserfall, schaute, dachte an nichts und dann meinte ich nach meiner Brille greifen zu müssen. Ich hänge sie in meinen Halsausschnitt des T-Shirt’s, wenn es heiß ist, und die Brille auf der Nase rutscht. Sie war nicht mehr da. Wo habe ich sie verloren? Wo liegen gelassen? Ich hatte den Eindruck jemand spricht zu mir: „Schau mal genau hin, geh nicht weg!“ Ich suchte und fand sie drei Meter entfernt zwischen zwei Felsbrocken senkrecht eingeklemmt.

Auf dem Wege habe ich Gottvertrauen. Es gab etliche schwierige , gefährliche auch aussichtslose Situationen und immer war die Lösung nicht weit. Ich bin mir sicher, durch meine eigene Kraft hätte ich diese Situation nicht auffangen können.

Hexen und schlechte Energie…

In Niederadelein trank ich in der einzigen Gaststätte die es dort gab, ein alkoholfreies Bier. Eine Katze lag auf meinem Schoß und haarte fürchterlich. Zwei Hunde lagen zu meinen Füßen, die Wirtin fragte mich aus. Es war mir unangenehm. Es kamen zwei weitere Frauen aus dem Dorf dazu. Sie erzählten mir Horrorgeschichten von Männern aus er Gegend, die die Frauen vergewaltigen und liegen lassen. Je mehr ich in den Süden käme, desto brutaler gingen sie vor. Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken, ich bezahlte und flüchtete. Gedanken kamen auf, die hatte ich noch nie auf den Wegen durch die Wälder, aber jetzt. Diese Hexen! Auf den folgenden Kilometern dachte ich nach über ‚abbrechen‘ und ’nicht durchziehen um jeden Preis‘. Ich habe mich gefangen und mein Vertrauen in die Welt war wieder da.

1000 km geschafft…

Von Truden aus ging ich nach Gfrill. Meinen Schrittzähler habe ich nicht mehr in meiner Hosentasche, der ist unwichtig geworden. Die Zeit, das Tempo, Entfernungen, Höhenmeter spielen keine Rolle mehr. 1000 km liegen hinter mir, 700 km noch vor mir. Über die Autobahn wären es ca. 500 km. Es regnete den ganzen Tag, der Weg war wunderschön. Ich ging durch den Naturpark ‚Trudener Horn‘. Der E5 geht geradewegs immer steil berauf, wobei ich mehrmals eine Forststraße überqueren mußte, um auf der anderen Seite wieder steil bergauf zu gehen. Auf der Horn-Alm angelangt, traf ich außer Esel und Kühen niemanden an. Somit ging ich weiter bis Gfrill. War aber kein Problem. Die Waldwege ließen mich glücklich sein.

Angekommen an meiner vorgebuchten Pension sagte man mir,ich sei falsch. Es gäbe keinen Gfriller- Hof, dort hatte ich ein Zimmer gebucht, der Gfriller -Hof sei 60 km entfernt. Der Schreck war kurz, denn die Gastwirte sagten mir, natürlich sei ein Zimmer frei für mich und für alle anderen Wanderer. Das sei das oberste Gebot ihrer Pension niemals einen Wanderer die Herberge zu verweigern. Abend wunderte ich mich, ich war untergekommen im einem wahren Gourmet-Tempel. Gekocht wurde dort mit selbstangebauten, naturbelassenen Gemüsen aus dem Garten hinter dem Haus. Gewürzt mit Kräutern aus dem Kräutergarten und gegen 20 Uhr waren alle Tische besetzt von Italienern, die aus dem Tal hochgefahren kamen um fürstlich zu speisen.

Der Gastraum und die Zimmer waren einfach. Die Familie sehr herzlich und emsig. Sie schlugen mir vor, morgens früh mit dem Vater ins Tal zu fahren nach Salurn und dort an der Etsch entlang weiterzugehen und nicht auf dem E5 zu bleiben. Warum immer bergauf-bergab. Sei schweißtreibend und kraftraubend. Ich solle mich etwas schonen. Muss ich furchtbar aussehen mittlerweile. Egal, den Rat befolgte ich und fuhr mit dem alten Mann ins Tal.

Wieder im Tal…

Es regnete unten mehr als oben, so ging ich erstmal ein Bananensplit essen, mein zweites Frühstück. Das war gutso, denn die nächste Mahlzeit gab es um 21 Uhr. Ich ging im satten Landregen über den Damm an der Etsch entlang bis Trento. Links der Esch führt der asphaltierte Radweg und auf der rechten Flussseite ein Schotterweg für Fußgänger.Es war ein angenehmes Gehen, der Boden war weich vom Regen und so konnte ich Kilometer ‚fressen‘ und dabei Musik hören über meinen MP3-Player.

Trento und Rovereto

Trento war eine größere Stadt,also wieder das gleiche Ritual. Info aufsuchen, Zimmer suchen, duschen, essen was ich noch im Rucksack fand, Internetcafe suchen, telefonieren und zwischendurch in die Kirche, Kerzen aufstellen, schöne Gebäude und Straße fotografieren und dann ins Bett, den Plan für die weitere Woche überlegen.

Das Hotel war teuer, gab nichts anderes, das Hostel war ausgebucht, in die Jugendherberge will ich nicht. Also eine Nacht und weiter. Ich hatte Probleme, denn zu den Ferien kommt an diesem Wochende ein Feiertag hinzu. Mir blieb nichts anderes übrig, als in einem Vorort von Rovereto zwei Nächt zu buchen. Gut, dass es Touristeninformationen gibt. Ich habe die besten Erfahrungen gemacht. Also mit dem Bus nach Rovereto, umsteigen in den nächsten Bus auf die andere Seite des Flusses. Ich hatte es gut angetroffen. Bed&Breakfast für normales Geld in einem schönen alten Hof mit Garten und Weinbergen vor der Nase, kein Autolärm, die Stadt weit weg. Hier werde ich zwei Tage bleiben und ausschlafen. Eine Sonnenliege steht auch für mich bereit. Der Feiertag kann kommen. Da es pausenlos regnet, brauche ich die Sonnenliege leider nicht.

Zum Glück scheint die Sonne nicht, die Temperaturen sind angenehm für mich, andere Leute sind bestimmt unzufrieden. Bis Rom ist es noch weit und die Hitze Italiens wird mich noch früh genug ereilen.

Unterstützen Sie die Nachbarschaftshilfe in Köln oder in Ihrer Stadt. Im engsten Umfeld leben Menschen die Unterstützung brauchen. Was liegt näher als Nachbarn zu helfen. Ehrenamtlich oder mit einer Spende.

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Verwendungszweck: Köln-Rom

 

Über die Alpen talpen….

2.Teil: Rovereto-Verona

Ich will nicht mehr über die Alpen! Meine Hüfte streikt, mein Kopf auch. Die Strecke, weiß ich, ist nicht einfach zu gehen. Sei besser mit Führung, finde aber keine. Ich traue es mir alleine nicht zu. Ich habe trotzdem alles versucht, in Rovereto. Ich wollte unbedingt einen Teil gehen, der Bus nach Fugazze fuhr erst um 12:30 Uhr. Der Fußweg bis Giazze war mit 9 Stunden angegeben. Ich war ja willig und entschlossen; dann hatte ich meine Stöcke in Villa Lagarina stehen lassen. Mit dem Taxi hin und zurück und dann kam ich zur Besinnung: ‚Es soll nicht sein.‘

Gardasee…schnell weiter

Kurzerhand kaufte ich ein Busticket für 2,50 Euro von Rovereto nach Riva de Garda und gab gerne 15 Euro aus, um mit dem Schnellboot über den Gardasee in den Süden nach Peschierea zu düsen.

Dort angekommen überrollten mich die Touristen und ich fragte mich, wer hier freiwillig die kostbarste Zeit des Jahres verbringt. Ich kaufte mir im Tabakladen ein Busticket und wartete geduldig mit vielen anderen Urlaubern an der Haltestelle auf den Bus. Laut Plan sind drei Busse ausgefallen. Mich fragte ein Paar aus England nach dem Weg. Das war sehr lustig für mich. Ich war seit 15 Minuten im Ort und konnte Auskunft geben wo und wann der Bus kam, wo es Tickets zu kaufen gab und was es kostet, bis Verona zu kommen.

Leider kam ich wegen der Umstände 25 Minuten nach Geschäftsschluss an der Touristeninformation in Verona an und hatte kein Zimmer. Es war 19:30, es wurde Zeit ein Bett für die Nacht zu suchen. Ich ging durch eines der Stadttore in eine düstere Gegend, weil ich mir dort preiswerte Hotels erhoffte. Sah aber keines, dafür eine kleine Bar. Da bin ich rein, bestellte einen Cappuccino und fragte den Wir nach einem geegnetem Hotel in der Nähe für kleines Geld. Er winkte ab und meinte , alles sei teuer. Ich legte meinen traurigen Dackelblick auf, da fiel ihm eine B&B Unterkunft ein, eine Straßenecke weiter. Ich fand weder Haus noch Klingelknopf und steuerte die nächste Bar an. Der junge Mann kannte eine andere B&B Pension, begleitete mich bis zur Tür, zeigte mir ein Eingangstor, die Klingelknöpfe und verwies mich zu Juliane und Romeo. Dort sollte ich mein Glück versuchen. Die Uhr zeigte 20:45 Uhr. Es war ein altes, ehrwürdiges Haus und nachdem Juliane mit mir über die Sprechanlage gesprochen hatte, holte sie mich unten an der Haustüre ab. Ich hatte den Eindruck , sie schaut erst mal nach, bevor sie jemanden hineinlässt.Gut so! Das Treppenhaus aus Marmor, mit Aufzug und alter Schiebegittertür davor. Doppelseitige Flügeltüren öffneten sich und ich stand in einer atemberaubenden Wohnung, wunderschön eingerichtet und sehr groß. Ihr Mann kam, musterte mich ebenfalls und ging wieder. Juliane zeigte mir mein Zimmer und mein eigenes Bad. Sehr edel, einverstanden, ich hatte soeben ein Bett für die Nacht ergattert.

Um 8:30 Uhr hatte die Info geöffnet und ich bin rein, habe mir einen Stadtplan geben lassen und habe mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten angesehen, fand Verona aber überfüllt und irgendwie fühlte ich mich hier unsicher und lustlos. Ich war in keiner guten Stimmung und zweifelte an mir und meinem Tun.

Non capiso niente…

Dann wurde mir bewusst, die Unsicherheit nährte sich aus den Sprachschwierigkeiten. Ich spreche kein Wort italienisch und ein echt schlechtes Englisch. Mit diesem Bewusstsein wollte ich wieder in die Natur. Schon bei meiner Reiseplanung stand fest, dass ich die Poebene nicht über Landstraßen durchgehen wollte; es gibt keinen Wanderweg, dafür viele Seen, Tümpel, Sümpfe, Mücken und rücksichtslose Motorradfahrer. Am gleichen Tag bin ich zum Bahnhof, zahlte und zog am Automaten einTicket für den Zug nach Bologna um 11:31 Uhr.

so schön…

In Bologna ist alles viel ruhiger und gediegener, die Stadt ist sehr schön und alt, wunderbare Bauten, Laubengänge und Kirchen. Hier fühlte ich mich wieder wohl, fand mich sofort zurecht, hatte ein schönes Zimmer und alles lief routiniert und gewohnt ab.

Mein Englisch ist genauso schlecht wie in Verona, ich gehe nun aber offensiver damit um, seitdem habe ich keine Verständigungsprobleme mehr mit den Italienern.

Nachmittags hielt ich einen Gesundheitsschlaf von über vier Stunden. Anschließend habe ich meinen Rucksack neu sortiert und mich von weiteren 2,1 kg Inhalt getrennt. Ich habe noch:

1 lange Hose,

1 Kleid,

1T-Shirt,

1Langarm-Shirt,

1 Regenjacke,

1 Regenhose,

Nagelfeile,

Medizin,

Stentgerät,

Sandalen,

Wanderschuhe,

2 Paar Socken,

Zahnbürste und Pasta,

1 Haarbürste,

Sonnenmilch,

Mückenmittel,

und viel Platz für Wasser. Ohne Wasser, knapp 6 kg. Mehr brauche ich nicht bis Rom und mehr kann ich nicht mehr tragen.

Am 18.08. 2010 ging ich auf den Via degli Dei = Götterweg. Er beginnt an der Plaza Maggiore in Bologna, über die Piazza di Saragozza und dann 3,5 km langen ansteigenden Arkadenweg zu St. Lucia (272 m) hinauf. Von dort wieder runter zum Ufer des Reno, Richtung Süden, wo nach einigen Marschstunden der Aufstieg in den Apenin bis Florenz beginnt.

Am Reno entlang war es schwül, fast tropisch, Schlammlöcher auf den Wegen, Mücken, Fliegen und Schmetterlinge begleitetn mich. Es war ebenerdig, aber der Weg so zugewachse, dass ich meine Stöcke benutzen musste, wie eine Machete, um das Grün beiseite zu schieben. Die rot-weiße Markierung sah ich nur selten, ich richtete mich mehr nach der Sonne. Einmal nicht aufgepasst, lag ich im Schlamm. Ich bin zum Fluss, habe mich komplett entkleidet und alles waschen müseen. Der Schlamm an den Schuhen bröckelte mit der Zeit von alleine ab. Dann sah ich keine Wegmarkierung mehr. Ich musste mich auf mein Buch verlassen. Karten wollte ich in Bologna kaufen, es gab keine. Im Buch stand:“Die kleine Straße endet dort an einem T-Kreuz mit Stoppschild. Gehen sie links hoch.“ Eindeutige Aussage, was mich wunderte, keine Wegmarkierung mehr zu sehen. Nach einem langen, beschwerlichen Aufstieg kam ich an einem einzelnen Haus vorbei mit großem Tor, zwei Männer und eine Frau stapelten Holz, ich fragte nach dem Weg auf deutsch, englisch, italienisch, mit Händen und Füßen. Sie gaben mir zu trinken und antworteten auf gleiche Weise. Wir haben viel gelacht und letztendlich brachte mich Emanuelle mit seinem Auto wieder auf meine Strecke, nach Badolo, in ein B&B Hotel, 10 km entfernt. Ich hatte mich total verlaufen. Wann, wo und wie? Keine Ahnung. Das B&B war ein wunderschönes Haus, toll gelegen, mit einem Traumgarten.

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Donatella war eine gute Gastgeberin, locker drauf und eine ebenso gute Köchin. Dort möchte ich noch mal hin.

Ich hatte Bedenken für den Weg am nächsten Tag. Was ist, wenn ich mich wieder verlaufen sollte, in dieser verlassenen Gegend? Emanuelle schenkte mir eine topographische Karte, die fast bis zum Tagesziel reichte.

mein Retter…

Aufbruch nach Monzuno. Steiler Aufstieg, sehr anstrengend, einigermaßen markiert, es werden mir Pfadfindererfahrungen abverlangt. Ich war körperlich schwer angeschlagen, es gab nach mehreren Auf-und Abstiegen kein Zurück. Oben angelangt, stand ein Mann in Sandalen ohne Rucksack einfach da. Der fehlte mir noch gerade.! Seit Stunden bin ich unterwegs und treffe keinen anderen Wanderer, und dann ein Mann auf der Höhe, der breitbeinig dort steht und mich kommen läßt. Ich weiß nicht wie es kam, wir konnten nicht miteinander sprechen, aber er trug meinen Rucksack und begleitete mich weitere 3 Stunden bis Monzuno. Wir tranken am Ziel gemeinam 3 Liter Wasser und ein fettes Eis. Dann ging er den gleichen Weg zurück und weitere zwei Stunden in die andere Richtung, dort stand sein Auto, so viel verstand ich. Mein Tagesziel war erreicht, das Hotel ausgebucht, eine Pension mit freiem Bett lag 2 km oberhalb des Ortes.

Die Erlebnisse die ich mit diesem Mann hatte, muss ich näher beschreiben an anderer Stelle. Später.

Aufbruch um 8:00 Uhr bei blauem Himmel nach Madonna die Fornelli. Natürlich ging es wieder den Berg hoch, ich wickelte mir einen nassen Turban um den Kopf und achtete verschärft auf die Wegzeichen rot-weiß gestreift CIAO19 und 2 gelbe Punkte. (Club Alpina Italiano) Die beiden gelben Punkte stammen von Domenicus Manares, der als erster den Via die Degli als zusammenhängenden Wanderweg wiederentdeckt hat

Ich stöhnte, weil es heiß war aber es ging immer eine leichte Brise. Der blaue Himmel störte mich, das grelle Licht brannte in meinen Augen. Die Sonnenbrille rutschte auf der Nase, weil ich schwizte, die Mücken und Fliegen fanden meinen Geruch anziehend. Es war anstrengend. Meine Hüfte pochte und ich sehnte mich nach einer Wolke. 15 Minuten später ging ich durch Regen. Der Himmel zog sich blitzschnell zu und ich sang vor Freude Jubellieder. Es war nicht mehr weit bis Madonna die Fornelli. In der Pension sah ich den Wetterbericht. Es war Bewölkung bis Rom angesagt.

Fortsetzung folgt…

 

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